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Museen in Basel
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Als Museen in Basel wird eine Reihe von Museen in der Schweizer Stadt Basel und ihrem Einzugsgebiet zusammengefasst. Sie decken ein weites Sammlungsspektrum ab, ihr Schwerpunkt liegt auf der bildenden Kunst. Sie beherbergen zahlreiche BestÀnde von internationaler Bedeutung. Mindestens drei Dutzend HÀuser, die heimatkundlichen Sammlungen in den Vororten nicht mitgerechnet, stellen eine ausserordentlich hohe Museumsdichte im Vergleich mit Stadtregionen Àhnlicher Grösse dar. Sie haben jÀhrlich gegen eineinhalb Millionen Besucher.

Die Museen, die einen wesentlichen, identitĂ€tsstiftenden Teil der Basler Kultur und Kulturpolitik ausmachen, grĂŒnden in einer eng verflochtenen privaten und staatlichen SammlungstĂ€tigkeit und Kulturförderung, die bis ins 16. Jahrhundert zurĂŒckreicht. Die staatlichen Museen des Kantons Basel-Stadt sind aus dem 1661 erfolgten Ankauf des privaten Amerbach-Kabinetts durch Stadt und UniversitĂ€t Basel entstanden und damit die Ă€lteste ununterbrochen bestehende Museumssammlung eines bĂŒrgerlichen respektive öffentlichen Gemeinwesens der Welt. Seit den 1980er-Jahren sind mehrere Sammlungen in Neubauten zugĂ€nglich gemacht worden, die als avantgardistische Museumsarchitektur Bekanntheit erlangt haben.

Contents

‱ Literatur
‱ Weblinks

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Museumslandschaft

Siehe auch

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Liste der Museen in Basel

Der Sammlungsschwerpunkt der Basler Museen liegt auf der bildenden Kunst – Malerei, Zeichnung und Plastik. Über ein Dutzend Museen decken ein Spektrum ab, das vom Altertum bis zur Gegenwart reicht und sowohl historisches und etabliertes als auch noch pionierhaftes Kunstschaffen zeigt. Besonders letzteres ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten in neu eröffneten Museen zugĂ€nglich gemacht worden. Lokale und regionale BestĂ€nde sind prĂ€sent, doch ist ein wichtiges Merkmal vor allem der grossen HĂ€user ihre internationale Ausrichtung und Ausstrahlung. Dazu beigetragen haben eine lange und im Gegensatz zu vielen mitteleuropĂ€ischen Museen von den Kriegen des 20. Jahrhunderts unberĂŒhrte Sammlungstradition sowie die herkömmlich gute Vernetzung des Standorts Basel mit dem KunsthĂ€ndler- und Kunstsammlermarkt, etwa durch die Art Basel.

Zahlreiche Museen beschÀftigen sich mit verschiedensten kulturgeschichtlichen und ethnologischen Themen. Es bestehen auch technische und naturwissenschaftliche Sammlungen. Die Museen sind nach wie vor an den wissenschaftlichen Aufgaben des Sammelns, Erhaltens und Ausstellens sowie des Forschens und Bildens ausgerichtetcite-ref-1[1] oder verstehen diese im Mindesten als Teil ihres Wirkens. Wie anderswo auch hat sich aber seit den 1960er-Jahren das traditionelle Selbstbild aufgelöst. Neben den neuen Formen des Publikumskontakts (MuseumspÀdagogik beziehungsweise -didaktik) sind institutionelle Mischformen entstanden, die aktiv eine gesellschaftspolitisch relevante Rolle anstreben und in denen der Museumsbetrieb nur eine, wenn auch wichtige Facette eines umfassenderen Kulturbetriebs formt.

Die Museumsarchitektur gewann mit der zunehmenden Ästhetisierung der Lebenswelt seit den 1980er-Jahren an Stellenwert. Eine postmoderne und dekonstruktivistische Formensprache hat auffĂ€llig oft bei Ausstellungsbauten Anwendung gefunden. Auch in und um Basel sind Neu-, An- oder Umbauten entstanden, die von national und international erfolgreichen Architekten (Renzo Piano, Zaha Hadid, Frank O. Gehry, Steib+Steib, Herzog & de Meuron, Mario Botta) entworfen worden sind und als avantgardistische Museumsarchitektur Anerkennung finden. Bei einigen Museen ist die Bausubstanz hingegen alt bis sehr alt, da es sich um ehemalige Wohn- und GeschĂ€ftshĂ€user oder um Klöster und Kirchen handelt, die zu Ausstellungszwecken umfunktioniert worden sind.

Die Museen sind ein zentraler Gesichtspunkt der touristischen AttraktivitĂ€t Basels und damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Basler Museen sind teils öffentliche Einrichtungen, in ihrer Mehrheit allerdings privatrechtliche und dann meist von Stiftungen getragene. Neben der hohen Museumsdichte im Vergleich mit anderen StĂ€dten und stĂ€dtischen Einzugsgebieten Ă€hnlicher Grössecite-ref-2[2] haben diese privaten Sammlungen nicht zuletzt zur hohen MuseumsqualitĂ€t beigetragen. Die privaten Sammlungen sind fast alle erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Die öffentlichen Museen gehen andererseits meist auf die Zeit davor zurĂŒck. Die Sammlungen der fĂŒnf staatlichen Museen des Kantons Basel-Stadt haben sogar eine mehrhundertjĂ€hrige Entwicklungsgeschichte.

Die Grenzlage der Stadt am Basler DreilĂ€ndereck und die kleinrĂ€umige Gliederung der Basler Region bringen es mit sich, dass zwar der Hauptteil der Basler Museen in der Stadt Basel und somit im Kanton Basel-Stadt ist, einige Museen aber im Kanton Basel-Landschaft zu finden sind. Zur Basler Museumslandschaft gerechnet werden können zudem Museen der Basler Agglomeration, so diejenigen in nahegelegenen StĂ€dten Lörrach (Deutschland), Saint-Louis (Frankreich) und Weil am Rhein (Deutschland), die im Fall des Weiler Vitra Design Museums auch regelmĂ€ssig in die jĂ€hrliche Basler Museumsnacht einbezogen sind. Angesichts der kommunalen, regionalen und nationalen Verwaltungseinheiten, die hier aufeinander treffen, sowie der ĂŒbergelagerten Agglomerationcite-ref-3[3] gibt es keine eindeutig festlegbare Anzahl von Basler Museen, doch sind es auch bei einem eng gefassten Perimeter wenigstens drei Dutzend HĂ€user, die Sammlungen beherbergen und zugĂ€nglich machen. Die Basler Museen sind auch dem 1999 eingefĂŒhrten, deutsch-französisch-schweizerischen «Museums-PASS-MusĂ©es» angeschlossen; dieser ist indessen viel weiter gefasst als die Basler Region und reicht von Bern und Thun ĂŒber Strassburg und Karlsruhe bis nach Mannheim, Worms und Mainz.cite-ref-4[4]

Entwicklung der Museen

Museen in der Stadt

FrĂŒhe Sammlungen

Die Entstehung der ersten öffentlichen Sammlung hĂ€ngt eng mit der UniversitĂ€t Basel und mit den frĂŒhneuzeitlichen BĂŒcher-, Kunst- und Naturalienkabinetten zusammen, von denen es in Basel einige gab. Insbesondere die Buchdruckerfamilie Amerbach sammelte wĂ€hrend des 16. Jahrhunderts eine sehr grosse Zahl von BĂŒchern, GemĂ€lden, Goldschmiedearbeiten, MĂŒnzen und Naturalien. Dem Amerbach-Kabinett stand 1661 nach einem Kaufangebot aus Amsterdam, dem damaligen europĂ€ischen Zentrum fĂŒr den Handel mit Sammlungsobjekten, die Auflösung bevor. Durch den BĂŒrgermeister Johann Rudolf Wettstein angestossen, beschlossen Stadt und UniversitĂ€t, die Sammlung gemeinsam zu erwerben und so in Basel zu halten. Ab 1671 im Haus zur MĂŒcke beim MĂŒnsterplatz aufgestellt, bildete die Sammlung allerdings kein eigentliches Museum. Der Hauptzweck der Einrichtung war der einer Bibliothek fĂŒr den UniversitĂ€tsbetrieb, nur einige Stuben im ersten Stock waren fĂŒr die Kunst- und Naturalienobjekte reserviert. Zwei Bibliothekare verwalteten die ganze Sammlung.

Nach der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts wuchsen der BĂŒcher- und der Objektbestand im Zuge der aufklĂ€rerischen BildungsbemĂŒhungen stark an. Bedeutende BestĂ€nde an AntiquitĂ€ten, MĂŒnzen, Versteinerungen und Naturalien gelangten durch Kauf, Schenkung oder VermĂ€chtnisse privater Sammler in das Haus zur MĂŒcke. Ein besonders wichtiger Zugang war 1823 das Museum Faesch, eine Basler Sammlung des 17. Jahrhunderts. Die erste zusammenhĂ€ngende ethnologische Sammlung kam mit dem «mexikanischen Kabinett», das der Kaufmann Lukas Vischer 1828–1837 wĂ€hrend seiner mittelamerikanischen Reisen schuf. 1821 löste man die Naturalien aus den BestĂ€nden im Haus zur MĂŒcke und grĂŒndete im «Falkensteiner Hof», ebenfalls am MĂŒnsterplatz, ein eigenes naturhistorisches Museum, zu dem auch die Apparatenkabinette der physikalischen und der chemischen Anstalt gehörten.

Der eigentliche Kunsthort der Stadt war das Basler Rathaus, dessen reiche AusschmĂŒckung und Instandhaltung seit dem frĂŒhen 16. Jahrhundert eine stĂ€dtische Daueraufgabe waren und zahlreichen KĂŒnstlern AuftrĂ€ge verschafften. Eine «museale Ecke» dĂŒrfte es seit dem 16. Jahrhundert im stĂ€dtischen Zeughaus gegeben haben. Obwohl hier wie anderswo die kriegsuntauglich gewordenen Waffen zur Beseitigung ausgemustert wurden, blieb eine bedeutende Anzahl davon erhalten, was sich nur dadurch erklĂ€ren lĂ€sst, dass die Zeughauswarte nutzlos gewordene Militaria aus dem Mittelalter oder der FrĂŒhen Neuzeit aufgrund ihres GedĂ€chtniswerts magazinierten. DenkwĂŒrdig waren in erster Linie die echten und vermeintlichen TrophĂ€en der Burgunderbeute von 1476, die Basel zugefallen waren und noch Jahrhunderte spĂ€ter Schaulustigen gezeigt wurden. DemgegenĂŒber trug die Aufbewahrung des Basler MĂŒnsterschatzes, der mit der Reformation jeden liturgischen Wert verloren hatte, keinen musealen Charakter; denn die ĂŒber drei Jahrhunderte hinweg in der MĂŒnstersakristei verschlossenen Kultobjekte blieben bis 1833 jeder Betrachtung entzogen und erschienen allein als Buchwert in den Staatshaushalten.

Erster Museumsbau

Noch 1767 hatte der UniversitĂ€tsprofessor Johann Jakob d’Annone die Bilder und andere SehenswĂŒrdigkeiten im vorher leeren Erdgeschoss des Hauses zur MĂŒcke unterbringen lassen, um im ersten Stock mehr Platz fĂŒr die BĂŒcher zu bekommen, und fĂŒr eine systematischere Anordnung gesorgt; doch einige Jahrzehnte spĂ€ter genĂŒgten das GebĂ€ude und dessen Infrastruktur dem stĂ€rkeren Publikumsverkehr (ab 1829 wurde an immerhin vier Wochentagen geöffnet) und der im Zuge der AufklĂ€rung etablierten modernen Wissenskultur nicht mehr. Ein vollstĂ€ndiges Verzeichnis der BestĂ€nde fehlte und war «bisher bei der mangelhaften RĂ€umlichkeit, wo manche StĂŒcke seit Jahrzehnden in finsteren Winkeln unter zolldickem Staub begraben lagen, rein unmöglich».cite-ref-5[5]

Die Raumnot endete 1849 durch den Umzug der Sammlung in das einfach «Museum» genannte VielzweckgebĂ€ude von Melchior Berri an der Augustinergasse, das ebenda an die Stelle des vormaligen Augustinerklosters getreten war. Es wurde mit einem einmaligen Staatsbeitrag und Spenden der BĂŒrgerschaft finanziert. Der spĂ€tklassizistische Monumentalbau mit Dekorationsmalerei und Fresken Arnold Böcklins ist ein vergleichsweise frĂŒhes bĂŒrgerliches und das erste grosse Basler Museum. Deutlich erkennbar ist die Rezeption Karl Friedrich Schinkels und seiner Berliner Bauakademie. Sein Raum- und Nutzungsprogramm verband allerdings universitĂ€re Einrichtungen mit Bibliothek, naturhistorischen und Kunstsammlungen. Dies entsprach auch den institutionellen AnsprĂŒchen der UniversitĂ€t. Als Sammlungen galten auch die meisten SubsidiĂ€ranstalten, also Einrichtungen, welche die Lehre und Forschung am Objekt unterstĂŒtzten. Dazu zĂ€hlten dann die Apparate der chemischen und der physikalischen Anstalt oder die Instrumente der anatomischen Anstalt.

Aufteilung der öffentlichen Sammlungen in staatliche Museen

Parallel zur Spezialisierung der Bildungs- und Forschungsdisziplinen, die seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts geschah, entwickelten sich aus dem vielfĂ€ltigen Basler Objektbestand institutionelle Sammlungen, die nach wissenschaftlichen Sparten getrennt waren. Sie stellten einen ganz anderen Typ dar als die Wunderkammern, fĂŒr die man, so der Basler Professor Wilhelm Wackernagel, «gĂ€nzlich unbekĂŒmmert, mit halb pedantischem, halb kindischem Eifer nur nach Curiositaeten [gehascht hatte]».cite-ref-6[6] Das 1821 eingerichtete naturhistorische Museum war der erste Schritt in die neue Richtung gewesen. 1836 wurde die Kunstsammlung rechtlich unabhĂ€ngig von der Bibliothek der UniversitĂ€t und erhielt eine eigene staatliche Kunstkommission, die sie beaufsichtigte. 1856 kam die im selben Jahr nach dem Vorbild des Germanischen Nationalmuseums in NĂŒrnberg aus BestĂ€nden des Museums an der Augustinergasse gegrĂŒndete «mittelalterliche Sammlung» in NebenrĂ€ume und Annexbauten (Bischofshof, Niklauskapelle) des Basler MĂŒnsters, 1887 kamen die AbgĂŒsse antiker Bildwerke in die «Skulpturenhalle» des «Basler Kunstvereins». Inzwischen waren auch die chemische und die physikalische Anstalt 1874 in den Bernoullianum genannten Neubau fĂŒr die Naturwissenschaften umgezogen, wonach ihre ObjektbestĂ€nde den Sammlungscharakter zugunsten von Laboreinrichtungen verloren.cite-ref-7[7] Mit dem weiteren Museumsbau zugunsten seiner Sammlungen tat sich der Kanton aber schwer. Das Museum an der Augustinergasse war ein beachtlicher Anfang gewesen, doch blieb es wĂ€hrend fast fĂŒnfzig Jahren das einzige seiner Art.

1892 wurden die «antiquarische Sammlung» (die antike Kleinkunst) unter Ausschluss der ethnologischen Objekte und die mittelalterliche Sammlung im MĂŒnster mit den historischen Waffen des Basler Zeughauses zum Historischen Museum Basel vereinigt und ab 1894 in der umgebauten BarfĂŒsserkirche ausgestellt. Es beherbergt heute die umfassendste kulturhistorische Sammlung am Oberrhein und zeigt Zeugnisse des Kunsthandwerks (MĂŒnsterschatz und Goldschmiedekunst, Glasmalerei) und der Alltagskultur (Möbel, Tapisserien, MĂŒnzkabinett). Der Schwerpunkt liegt im spĂ€ten Mittelalter, in der Renaissance und in der Barockzeit. 1896 kam der gesamte BĂŒcherbestand in die neue UniversitĂ€tsbibliothek. Die «ethnographische Sammlung», seit 1905 in «Sammlung fĂŒr Völkerkunde» umbenannt, konnte 1917 durch einen Anbau des Museums an der Augustinergasse neue RĂ€umlichkeiten beziehen und wurde zum «Museum fĂŒr Völkerkunde». Es beherbergt rund dreihunderttausend Objekte sowie ebenso viele historische Fotografien und gilt als grösstes ethnologisches Museum der Schweiz und eines der grössten Europas. Die Sammlung umfasst Objekte aus Europa, AltĂ€gypten, Afrika, Asien (Tibet- und Bali-Sammlungen), Altamerika und Ozeanien. Die Bundesbehörden erhoben 1944 seine europĂ€ischen Sammlungsteile zum «Schweizerischen Museum fĂŒr Volkskunde». Diese Trennung besteht seit 1997 nicht mehr. Die aussereuropĂ€ischen und die europĂ€ischen SammlungsbestĂ€nde bilden nun das Museum der Kulturen Basel; der Name soll ausdrĂŒcken, dass sich der Schwerpunkt des Museums vom Vermitteln «fremder Kulturen» zum interkulturellen Dialog verlagert hat. Das Naturhistorische Museum Basel, das die meisten Bereiche der Naturwissenschaften (Anthropologie, Mineralogie, PalĂ€ontologie; Wirbeltiere, Insekten mit der «KĂ€fersammlung Frey» und ĂŒbrige Wirbellose) prĂ€sentiert, hat sowohl den 1849 bezogenen Standort als auch seinen traditionellen Namen behalten. Seine Sammlungen mit gegen acht Millionen Objekten, die eng an die naturwissenschaftliche Forschung angebunden sind, nennt es «Archive des Lebens».

1849 war die öffentliche Kunstsammlung im Obergeschoss des Museums an der Augustinergasse eingerichtet worden, hatte aber aufgrund ihres Wachstums unter immer grösseren Platzproblemen zu leiden. 1936, nach einer rund drei Jahrzehnte dauernden Planung, kam die Kunstsammlung in das Kunstmuseum Basel. Noch 1922 hatte diese im «Augustinerhof» an der Augustinergasse (Kupferstichkabinett) und im «Bachofenhaus» am MĂŒnsterplatz (Sammlung Bachofen mit weiteren BestĂ€nden) Filialen erhalten und seit 1928 mit ihrem Hauptteil in der Kunsthalle ein vorlĂ€ufiges Domizil gefunden. GemĂ€ldegalerie und Kupferstichkabinett des Kunstmuseums beherbergen die grösste und bedeutendste öffentliche Kunstsammlung der Schweiz. Mit seinen Schwerpunkten Malerei und Zeichnung oberrheinischer KĂŒnstler von 1400 bis 1600 (Holbein-Familie, Witz, Cranach der Ältere, GrĂŒnewald) sowie Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts (Böcklin, van Gogh, CĂ©zanne, Gauguin; Kubismus mit Picasso und Braque; deutscher Expressionismus; amerikanische Nachkriegskunst) zĂ€hlt es auch international zu den wichtigsten Museen seiner Art. Seit der Auslagerung der Kunstsammlung steht das Museum an der Augustinergasse allein dem Naturhistorischen Museum und dem Völkerkundemuseum / Museum der Kulturen zur VerfĂŒgung. Eine grundlegende Erweiterung der öffentlichen Museumssammlung geschah 1961 durch die GrĂŒndung von Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig, in dem die antiken BestĂ€nde des Historischen Museums (Kleinkunst) und des Kunstmuseums (Skulpturen) mit privaten Zueignungen zusammengefĂŒhrt und ab 1966 in einer, ab 1988 in zwei klassizistischen Villen von Melchior Berri gegenĂŒber dem Kunstmuseum ausgestellt worden sind. Das Antikenmuseum widmet sich als einziges Museum der Schweiz ausschliesslich der Kunst des Mittelmeerraums (hauptsĂ€chlich Ă€gyptische, etruskische, griechische, italische und römische Kultur, dazu Levante und Vorderer Orient) wĂ€hrend des Altertums vom 4. Jahrtausend v. Chr. bis ins 7. Jahrhundert n. Chr. Die Schwerpunkte bilden die Sammlung griechischer Vasen und antiker Skulpturen sowie die altĂ€gyptische Abteilung.

Dépendancen der staatlichen Museen

Der vermehrte Raumbedarf der Sammlungen im Museum an der Augustinergasse hat zum Anschluss eines ganzen benachbarten HĂ€usergevierts gefĂŒhrt, aber auch die anderen Museen bauten aus. Das Historische Museum in der BarfĂŒsserkirche erhielt als DĂ©pendancen: 1926–1934 das Wohnmuseum im Segerhof, dessen Thema seit 1951 durch das Museum der Basler Wohnkultur im «Haus zum Kirschgarten» fortgefĂŒhrt wird; 1943 die Musikinstrumenten-Sammlung, die seit 2000 im ehemaligen GefĂ€ngnis «Lohnhof» das Musikmuseum bildet und fĂŒnf Jahrhunderte europĂ€ischer Musikgeschichte vermittelt; 1981 die Kutschen- und Schlitten-Sammlung in BrĂŒglingen. Die aufgrund des damals mangelhaften Publikumsinteresses 1927 magazinierten AbgĂŒsse in der Skulpturenhalle wurden 1961 Teil des Antikenmuseums und erhielten 1963 in der Skulpturhalle Basel eigene AusstellungsrĂ€ume. Weltweit einmalig ist die ZusammenfĂŒhrung der gesamten Bauplastik des Parthenons. Die Öffentliche Kunstsammlung ihrerseits bekam als zweiten Bau 1981 das Museum fĂŒr Gegenwartskunst im St. Alban-Tal. Als erster öffentlicher Ausstellungsbau in Europa wurde es ausschliesslich zeitgenössischer Kunstproduktion und -praxis von den 1960er-Jahren an gewidmet. Es sammelt neben den klassischen Medien wie Malerei oder Plastik auch Videokunst.

Aufgehobene und parastaatliche Museen

Das 1878 vom Handwerker- und Gewerbeverein zur PrĂ€sentation des einheimischen handwerklichen Schaffens gegrĂŒndete und 1886 teilweise, 1914 vollstĂ€ndig verstaatlichte «Gewerbemuseum» (ab 1989 aufgrund seiner weiterentwickelten thematischen Ausrichtung «Museum fĂŒr Gestaltung») und das 1939 im alten KlostergebĂ€ude des «Kleinen Klingentals» als Teil der staatlichen Denkmalpflege eingerichtete baugeschichtliche «Stadt- und MĂŒnstermuseum» sind im Zuge von Sparmassnahmen 1996 geschlossen worden. Im Falle des Gewerbemuseums wurden die BestĂ€nde aufgeteilt, Bibliothek und Plakatsammlung kamen an die Schule fĂŒr Gestaltung.cite-ref-8[8] Das Stadt- und MĂŒnstermuseum blieb allerdings als von einer Stiftung getragenes Museum Kleines Klingental in den bisherigen RĂ€umlichkeiten erhalten. Die Fondation Herzog prĂ€sentierte von 2002 bis 2011 im industriell geprĂ€gten Dreispitzareal in einem «Laboratorium fĂŒr Fotografie» die Fotosammlung von Ruth und Peter Herzog (rund 300.000 Werke mit Schwerpunkt bei der industrialisierten Gesellschaft des 19. Jahrhunderts). Die Fotosammlung wurde 2015 vom ArchitekturbĂŒro Herzog & de Meuron in das «Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett» ĂŒbernommen (abzĂŒglich 3.000 Werken, die bei der Fondation Herzog verbleiben) und erneut im Dreispitzareal archiviert.

Das Feuerwehrmuseum Basel, 1957 gegrĂŒndet, ist zwar in den RĂ€umlichkeiten der kantonalen Berufsfeuerwehr domiziliert, gilt aber nicht als staatliches Museum und wird auch in der kantonalen Verwaltung nicht als eigene Dienststelle gefĂŒhrt. Seine Kollektion, zu der auch Dauerleihgaben des Historischen Museums gehören, umfasst Dokumente, die bis ins 13. Jahrhundert zurĂŒckreichen. Ähnliches gilt fĂŒr die Sammlung Friedhof Hörnli, die sich seit 1994 auf dem GelĂ€nde des kantonalen Zentralfriedhofs befindet, aber vom «Verein Sammlung Friedhof am Hörnli» getragen wird. PrĂ€sentiert werden Objekte des Bestattungswesens: Aschenurnen, Dokumente zur Geschichte der Kremation, Leichenwagen, SĂ€rge, Friedhofsordnungen, Grabkreuze, GlasperlenkrĂ€nze und Totenandenken.

Weitere Museen

Das erste nicht vom Kanton Basel-Stadt getragene Museum entstand ab 1860 in einem Saal der Basler Mission. Es zeigte Kult- und Kulturobjekte der LĂ€nder und Völker, in denen die Basler Mission tĂ€tig war, sowie eine PortrĂ€tgalerie von Missionaren. Diese Ausstellung wurde aber spĂ€ter zum Teil an den Kanton verĂ€ussert und wieder geschlossen. Das Konzept des Vielzweckbaus wie beim Museum an der Augustinergasse nahm der «Basler Kunstverein» auf, der 1869–1872 die Kunsthalle am Steinenberg bauen liess, worin Ausstellungs- und VerwaltungsrĂ€ume, Bibliothek und Bildhauerateliers eingerichtet wurden; daran schloss sich 1885 als Seitentrakt die Skulpturhalle an, die wie oben erwĂ€hnt 1887–1927 die AbgĂŒsse antiker Statuen des Museums an der Augustinergasse ĂŒbernahm. Das ehemalige «KĂŒnstlerhaus» versteht sich nunmehr «als Schnittstelle zwischen KĂŒnstlern und Kunstvermittlern und als Ort, der zwischen lokalen und internationalen Entwicklungen vermittelt». Das nĂ€chste Museum, das nicht auf staatliche Initiative zurĂŒckging, war das oben erwĂ€hnte «Gewerbemuseum» von 1878, das aber acht Jahre spĂ€ter schon im Kanton eine neue TrĂ€gerschaft fand. Eine Einrichtung der UniversitĂ€t Basel ist das Anatomische Museum, das als «Pathologisch-Anatomische Sammlung» mit dem Bezug eines eigenen GebĂ€udes 1880 selbstĂ€ndig wurde; der Beginn der SammlungstĂ€tigkeit geht auf Carl Gustav Jung in den 1820er Jahren zurĂŒck, besonders bedeutend sind das Ă€lteste anatomische PrĂ€parat der Welt (von Andreas Vesalius 1543 in Basel hergestellt) und ein Skelett, das Felix Platter 1573 prĂ€pariert hat.

1924 folgte aus der Schenkung einer Privatkollektion das Pharmaziemuseum der UniversitĂ€t Basel (ursprĂŒnglich «Sammlung fĂŒr historisches Apothekenwesen») mit einer der weltweit grössten Sammlungen zur Geschichte der Pharmazie. Es umfasst alte Medikamente und frĂŒhere Apothekenobjekte, Laborutensilien, Keramik, Instrumente, BĂŒcher, Kunst und Kunsthandwerk. 1945 wurde das «Schweizerische Turn- und Sportmuseum» geschaffen und 1977 in Schweizer Sportmuseum umbenannt; TrĂ€gerschaft ist die «Stiftung Sportmuseum Schweiz». Schwerpunkte sind Ball- und Kugelspiele, Radsport, Turnen und Wintersport. Aus der 1954 eröffneten Ausstellung «Unser Weg zum Meer» der «Schweizerischen Reederei» im Basler Rheinhafen ist das Schifffahrtsmuseum Verkehrsdrehscheibe Schweiz hervorgegangen. Getragen wird es von einem Verein. 1954 bis 1979 war dem Museum fĂŒr Völkerkunde die «Schweizerische Papierhistorische Sammlung» angegliedert, die 1980 als Basler PapiermĂŒhle – Schweizerisches Museum fĂŒr Papier, Schrift und Druck ein eigenes Haus in der Gallician-MĂŒhle im ehemaligen Gewerbequartier St. Alban bezog. Getragen wird dieses Museum von der «Stiftung Basler PapiermĂŒhle». Das JĂŒdische Museum der Schweiz, das die Kulturgeschichte der Juden in der Schweiz und in Basel sowie Dokumente des ersten Zionistenkongresses in Basel 1897 zeigt, wurde 1966 vom «Verein fĂŒrs JĂŒdische Museum der Schweiz» gegrĂŒndet.

Wie das Museum Kleines Klingental ist der 1974 eröffnete Ausstellungsraum Klingental in RĂ€umen des ehemaligen Klosterkomplexes Klingental eingerichtet. Er soll als Plattform fĂŒr die Auseinandersetzung mit dem aktuellen Schaffen der in Basel lebenden KĂŒnstler und der Nachwuchsförderung dienen. Die Institution wird vom «Verein Ausstellungsraum Klingental» getragen.

Das 1979 gegrĂŒndete Cartoonmuseum Basel – Zentrum fĂŒr narrative Kunst, das der narrativen Zeichnung gewidmet ist, geht hingegen auf das Engagement eines Einzelnen, des Sammlers und MĂ€zens Dieter Burckhardt zurĂŒck. Die «Stiftung Sammlung Karikaturen & Cartoons» ist als unselbstĂ€ndige Stiftung der Christoph Merian Stiftung angegliedert. Die AusstellungsrĂ€ume befinden sich seit 1996 in der St. Alban-Vorstadt 28 in einem spĂ€tgotischen Altbau, der durch das ArchitekturbĂŒro Herzog & de Meuron renoviert und um einen Neubau ergĂ€nzt worden ist. Die Ausstellungen zeigen innovative, internationale Positionen aus Comic, Cartoon oder Karikatur und zu entdecken gibt es Zeichnung, Graphic Novel, Reportage, Games oder Animationsfilm bis hin zu Installation.

1984 wurde das Schweizerische Architekturmuseum gegrĂŒndet, das sich seit 2004 in den RĂ€umen der von den Architekten Miller & Maranta sowie Peter MĂ€rkli gesamtrenovierten und umgebauten Kunsthalle befindet; es beschĂ€ftigt sich in Wechselausstellungen mit Themen und Fragen der internationalen Architektur und der Urbanistik. Dem Architekturmuseum zugute kommt sein Standort in Basel, wo sich eine auffĂ€llige Konzentration an international bedeutenden ArchitekturbĂŒros entwickelt hat, unter denen vor allem Herzog & de Meuron im regionalen Museumsbau mitgewirkt haben. Sein TrĂ€ger ist die «Stiftung Architekturmuseum».

Das 1996 eröffnete Museum Tinguely zeigt in einer permanenten Ausstellung das Leben und die Werke des KĂŒnstlers Jean Tinguely. Sonderausstellungen befassen sich mit dem Schaffen von kĂŒnstlerischen WeggefĂ€hrten und weiteren Positionen der Moderne. Das von Mario Botta entworfene Museum wird ausschliesslich vom Basler Pharmakonzern Hoffmann-La Roche finanziert. MĂ€zenatisch begrĂŒndet ist das 1998 eröffnete Spielzeug Welten Museum Basel, das Gigi Oeri gehört und dessen Sammlung von ihr aufgebaut worden ist. Es zeigt neben Puppen, PuppenhĂ€usern und MiniaturlĂ€den aus dem 19. und 20. Jahrhundert die weltweit grösste TeddybĂ€ren-Sammlung. Der Medienkunstbetrieb [plug.in, dessen BetriebsrĂ€ume 2000 öffneten, hat den 1999 gegrĂŒndeten «Verein Forum fĂŒr neue Medien» zur TrĂ€gerschaft. Er realisiert Ausstellungen und leistet internationale Vernetzungsarbeit fĂŒr KĂŒnstler; eine weitere Aufgabe ist die Vermittlung zwischen der Medienkunst und der breiten Öffentlichkeit.

Das kleinste Museum ist das 1995 im ImbergÀsslein eröffnete Hoosesaggmuseum, das aus einem einzigen Schaukasten besteht.

Ein weiteres, neu eingeweihtes Museum ist der Novartis-Pavillon auf dem Novartis-Campus in Basel-St. Johann.

Museen der stÀdtischen Nachbarschaft

Viele der kleinen und mittleren Gemeinden um Basel haben Orts- und Heimatmuseen,cite-ref-9[9] die nachfolgend nicht dargestellt werden. ErwĂ€hnung finden die HĂ€user, deren Sammlung einen ĂŒber das Lokale ausgreifenden Charakter hat und die in der Regel an mehreren Tagen in der Woche frei zugĂ€nglich sind.

Natur-, kultur- und technikgeschichtliche Sammlungen

Das Ă€lteste Museum der Region Basel ausserhalb der Stadt ist das Museum des Kantons Basel-Landschaft in Liestal, heute Museum.BL. Es wurde 1837 als «Naturaliencabinett» gegrĂŒndet, und bis in die 1930er Jahre gingen vor allem naturhistorische Objekte in die Sammlung ein. Seither hat sich der Schwerpunkt eher auf die Kulturgeschichte verlagert. Die Vielfalt der Sammlung nutzt das Museum fĂŒr eine breitgefĂ€cherte BeschĂ€ftigung mit Umwelt, Geschichte und Gegenwart. Das DreilĂ€ndermuseum in Lörrach geht auf den 1882 gegrĂŒndeten «Lörracher Altertumsverein» zurĂŒck, der seine Sammlung 1927 der Stadt Lörrach vermachte. Als «Heimatmuseum» nahm es 1932 den Betrieb auf und prĂ€sentiert heute mit seiner DreilĂ€nderausstellung Geschichte und Gegenwart, die Teilung und die Gemeinsamkeiten der Grenzregion um das Basler DreilĂ€ndereck von Deutschland, Frankreich und der Schweiz.

Das 1957 eröffnete Römermuseum Augst, ein Freilichtmuseum auf dem GelĂ€nde der ehemaligen, seit der Renaissance erforschten Römerstadt Augusta Raurica, zeigt zahlreiche Grabungsfunde, darunter den grössten Silberschatz der SpĂ€tantike. Das benachbarte rekonstruierte «Römerhaus» ist eine Schenkung des Basler MĂ€zens RenĂ© Clavel, das Museum und der gesamte archĂ€ologische Park sind allerdings eine Dienststelle des Kantons Basel-Landschaft. In der BrĂŒglinger Ebene steht das MĂŒhlemuseum der Christoph Merian Stiftung. In der 1966 zum Museum umgebauten WassermĂŒhle des ehemaligen «Hofguts BrĂŒglingen» befindet sich eine Ausstellung ĂŒber die Geschichte der MĂŒhle und der MĂŒllerei von der Bronzezeit bis ins 20. Jahrhundert. Das MĂŒhlwerk ist funktionsfĂ€hig, so dass die ArbeitsgĂ€nge vom wassergetriebenen MĂŒhlrad bis zum rotierenden MĂŒhlstein gezeigt werden.

Im 1972 eröffneten Riehener Spielzeugmuseum, Dorf- und Rebbaumuseum wird neben Objekten zur Dorfgeschichte und zum Rebbau eine der bedeutendsten Sammlungen von europĂ€ischem Spielzeug prĂ€sentiert. Das Spielzeug rĂŒhrt teilweise aus privaten Sammlungen, teilweise sind es Leihgaben des Museums der Kulturen. Das Museum ist eine Dienststelle der Riehener Gemeindeverwaltung. Das Museum fĂŒr Musikautomaten in Seewen, das am Ă€ussersten Rand des Gebiets der Basler Museen liegt, beherbergt eine der weltweit grössten und bekanntesten Sammlungen von Schweizer Musikdosen, Plattenspieldosen, Uhren und Schmuck mit Musikwerk und anderen mechanischen Musikautomaten. Es entstand 1979 als Privatmuseum des Sammlers Heinrich Weiss und ging 1990 als Schenkung in den Besitz der Schweizerischen Eidgenossenschaft ĂŒber. Seit 2000 wird die Sammlung in einem Neubau prĂ€sentiert. 1997 eröffnet wurde schliesslich das ElektrizitĂ€tsmuseum des Energieversorgers Elektra Birseck in MĂŒnchenstein. Thema ist die Entwicklungsgeschichte von Stromproduktion und -anwendung. Die Sammlung umfasst rare historische GerĂ€tschaften und wird ergĂ€nzt durch ein Labor, in dem die Besucher mit Strom experimentieren können.

Schwerpunkt Kunstsammlung

Ab Ende der 1980er Jahre kam es in der Region Basel zu einer intensivierten NeugrĂŒndung von Museen, die Kunst und Gestaltung insbesondere der Gegenwart thematisieren. Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein ist ein Designmuseum mit den Schwerpunkten Möbel und Inneneinrichtung. Das Museum hat die Stuhl- und Möbelsammlung von Rolf Fehlbaum, dem Inhaber des Möbelproduzenten Vitra, zum Ausgangspunkt, doch ist es eine selbstĂ€ndige Institution. Der Vitra-GebĂ€udekomplex trĂ€gt wesentlich zur HĂ€ufung avantgardistischer Museumsarchitektur in der Region Basel bei. Neben dem 1989 eröffneten Museum von Frank O. Gehry finden sich Bauten von Zaha Hadid, Nicholas Grimshaw, Tadao Andƍ und Álvaro Siza Vieira. Die Stiftung Fondation Beyeler ist seit 1982 die EigentĂŒmerin der Kunstsammlung von Hildy und Ernst Beyeler, die das Ehepaar wĂ€hrend etwa fĂŒnfzig Jahren zusammengetragen hat. Die Bildwerke der klassischen Moderne sind seit 1997 in Riehen in einem von Renzo Piano entworfenen Museumsbau ausgestellt. Unter anderem werden Werke von Degas, Monet, CĂ©zanne, van Gogh, Picasso, Rothko, Warhol, Lichtenstein oder Bacon gezeigt. Die BĂ€ume im Park des vielbeachteten Baus wurden 1998 durch Christo und Jeanne-Claude verhĂŒllt.

Mit dem Kunsthaus Baselland in Muttenz erhielt der «Kunstverein Baselland» 1997 ein eigenes AusstellungsgebĂ€ude. Das Kunsthaus widmet sich der zeitgenössischen Kunst und zeigt in wechselnden Ausstellungen aktuelle Projekte regionaler und internationaler KĂŒnstler. Auch der Kunst Raum Riehen, 1998 eröffnet, ist eine öffentliche Einrichtung und ist thematisch vergleichbar ausgerichtet. Er dient der Gemeinde Riehen und ihrer Kunstkommission zur Ausstellung des regionalen zeitgenössischen Kunstschaffens. Die 2001 gegrĂŒndete Stiftung Sculpture at Schoenthal im ehemaligen Kloster Schönthal prĂ€sentiert unter dem Leitsatz «Kunst und Natur im Dialog» rund zwanzig Werke von internationalen und Schweizer KĂŒnstlern in einem permanent zugĂ€nglichen Skulpturenpark. Im zur Galerie umfunktionierten romanischen Kirchenraum finden Wechselausstellungen von zeitgenössischen KĂŒnstlern statt.cite-ref-10[10] 2003 wurde das Schaulager der Emanuel Hoffmann-Stiftung in MĂŒnchenstein eröffnet. Sein HerzstĂŒck ist die avantgardistische Kunstsammlung der Stiftung, es ist eine Mischung zwischen öffentlichem Museum, Kunstlager und Kunstforschungsinstitut. Der polygonale Bau ist ein Entwurf der Architekten Herzog & de Meuron. Der Espace d’Art Contemporain Fernet Branca in Saint-Louis, der elsĂ€ssischen Nachbarstadt Basels, befindet sich in der 2000 stillgelegten Destillerie des Spirituosenherstellers Fernet-Branca. Das Museum prĂ€sentiert seit 2004 in Wechselausstellungen Themen und KĂŒnstler der Gegenwartskunst. Getragen wird der Museumsbetrieb von der «Association pour le MusĂ©e d’Art Contemporain Fernet Branca».cite-ref-11[11]

Museumsförderung und Museumspolitik

Primat der Bibliothek

Museen entstammen nicht selten – wenigstens was ihren Grundstock betrifft – höfischen Sammlungen. DemgegenĂŒber pflegt Basel seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die Erinnerungskultur, mit dem Ankauf des Amerbachkabinetts im Jahr 1661 die Ă€lteste bestehende Museumssammlung eines bĂŒrgerlichen Gemeinwesens geschaffen zu haben.cite-ref-12[12] Der Ankauf einer Sammlung des 16. Jahrhunderts entsprach dem damals verbreiteten historisch-dokumentarischen Kunstinteresse. Wesentlich wurde der Kauf aber durch die Absicht veranlasst, mit der BĂŒchersammlung des Amerbachkabinetts diejenige der UniversitĂ€t aufzuwerten; das Gesellschaftshaus zur MĂŒcke, in dem die von der UniversitĂ€t verwaltete Sammlung untergebracht war, hiess wegen seiner hauptsĂ€chlichen Zweckbestimmung «Bibliothek». Die Aufgabe des stĂ€dtischen Kunsthorts ging erst in der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts vom Rathaus auf das Haus zur MĂŒcke ĂŒber. 1770 schaffte man den Passionsaltar Holbeins, der seit der Reformation eine der Hauptattraktionen fĂŒr Besucher war, hinĂŒber, 1771 mehrere GemĂ€lde aus Ratsbesitz und 1786 Holbeins OrgelflĂŒgel aus dem MĂŒnster. Rechtlich blieb aber trotz dieser Gewichtung der Objektsammlungen lange Zeit alles beim Alten. Die naturhistorischen BestĂ€nde und die Kunstsammlung waren erst ab 1821 beziehungsweise 1836 kein Teil der Bibliothek mehr.

Die bĂŒrgerliche Museumskultur stand Ende des 18. Jahrhunderts noch am Anfang ihrer Entwicklung, wie die sehr knapp bemessenen Öffnungszeiten des Hauses zur MĂŒcke (am Donnerstagnachmittag von zwei bis vier Uhr, sonst auf Anfrage) verdeutlichten. RegelmĂ€ssige Galeriebesuche durch StadtbĂŒrger und AuswĂ€rtige sind erst seit dieser Zeit verzeichnet. AktivitĂ€ten im Bereich der Sammlung waren wĂ€hrend der drei Jahrzehnte vor und nach 1800 am ehesten bei den naturwissenschaftlichen Objekten zu erkennen, wo einige AnkĂ€ufe und Schenkungen stattfanden. Die zahlreichen erstklassigen Kunstobjekte, welche in den 1790er-Jahren aus dem revolutionĂ€ren Frankreich eingefĂŒhrt wurden, fanden in Basel hingegen keine breite KĂ€uferschicht und wurden meist weiterverĂ€ussert.

Verstaatlichung und Volksbildung

FĂŒr die republikanischen und monarchischen BĂŒrgerstaaten des 19. Jahrhunderts wurden Sammlungen in der Form öffentlicher Museen zu Zeichen ihrer Selbstbestimmung. Die massenhafte Verschleppung von Kunstwerken nach Paris wĂ€hrend der napoleonischen Kriege hatte ein Bewusstsein dafĂŒr geschaffen, wie sehr Kunst identitĂ€tsstiftend wirkt. Vorbildhaft waren das «MusĂ©e français» im Louvre und das 1816 aufgelöste «MusĂ©e des monuments français» in einem ehemaligen Augustinerkonvent. Die Pflege von programmatischen Museumssammlungen und die Errichtung von Museumsbauten wurden eine der reprĂ€sentativsten nationalen Aufgaben.

Allerdings war es in Basel zuerst die zunehmende Raumnot im Haus zur MĂŒcke, die zu Gedanken ĂŒber einen neuen Bau fĂŒhrte. Die Diskussion ĂŒber den richtigen Ort fĂŒr die öffentliche Sammlung gewann nach der Trennung des Kantons in einen Stadt- und einen Landteil eine politische Dimension. Das UniversitĂ€tsgesetz von 1818 hatte die korporativ-autonome Hochschule zur kantonalen Bildungsanstalt und das UniversitĂ€tsgut mittelbar zum staatlichen Eigentum gemacht. Als Teil des UniversitĂ€tsguts gehörten gemĂ€ss Schiedsspruch zwei Drittel der Sammlung dem Landkanton und mussten vom Stadtkanton abgekauft werden. Die Konsternation in der Stadt darĂŒber fĂŒhrte zum Gesetz ĂŒber die Verwaltung und Verwendung des UniversitĂ€tsguts von 1836, das dieses unauflöslich und zum Bildungszweck an die Örtlichkeit der Stadt Basel knĂŒpfte. Diese Bestimmung ist bis heute in Kraft.cite-ref-13[13]

Eine Folge der Geschehnisse war 1835 die GrĂŒndung der «Freiwilligen Akademischen Gesellschaft», die im Rahmen ihrer Förderung der UniversitĂ€t auch die Sammlungen finanziell oder durch eigene AnkĂ€ufe und Schenkungen zu unterstĂŒtzen begann. Der stĂ€rkste Impuls zum Museumsbau kam allerdings aus den naturwissenschaftlichen Kreisen um den Physik- und Chemieprofessor Peter Merian, der wahrscheinlich dem Naturhistorischen Museum – als einziger staatlicher Sammlung – einen eigenen jĂ€hrlichen Etat verschafft hatte. Die Einrichtung des Naturhistorischen Museums im Falkensteinerhof als Kombination von akademischer UnterrichtsstĂ€tte, Bibliothek und Laboratorien diente dem Museumsbau auch als Grundmodell. Dass am Ende auf ein eigentliches UniversitĂ€tsgebĂ€ude zugunsten eines primĂ€ren Museumsbaus verzichtet wurde, hing mit dem schweren Stand zusammen, den die UniversitĂ€t in weiten Kreisen des gewerbetreibenden und industriellen BĂŒrgertums hatte. Dort galt die UniversitĂ€t als rĂŒckwĂ€rtsgewandte Institution. Das Museum hingegen hielt man fĂŒr einen Motor der praktischen Volksbildung und war gewillt, dessen Bau als Teil des damals um sich greifenden Erneuerungsprozesses der Stadt mit privaten BeitrĂ€gen zu unterstĂŒtzen.

Auf Betreiben Christian Friedrich Schönbeins wurde ab 1850 der «Freiwillige Museumsverein» wirksam, der eine Folgeinstitution des 1841 gegrĂŒndeten Vereins zum Bau des Museums war. Nach dem Vorbild der Royal Institution in London gebildet, sollte er der «Belebung des Sinnes fĂŒr Wissenschaft und Kunst» dienen. Der Verein, der allen Einwohnern Basels offenstand, förderte die Sammlungen mit finanziellen Mitteln und wollte ĂŒber öffentliche VortrĂ€ge, zu denen auch Frauen zugelassen waren, das Interesse fĂŒr das Museum wecken. Er konnte den Elan der Anfangsphase allerdings nicht halten und verlor trotz des rasanten Basler Bevölkerungswachstums in der zweiten JahrhunderthĂ€lfte an Mitgliedern. Das Museum nahm die von ihm angebotene und erhoffte Leistung der Volksbildung nicht wahr, wie das seine GrĂŒnder und UnterstĂŒtzer erhofft hatten. Die ideelle Vergesellschaftung des Museums entwickelte sich nur allmĂ€hlich, das Museum behielt auch lange Zeit alte Organisationsformen bei. Einen Konservator mit akademischem Abschluss erhielt die Kunstsammlung erst 1887. Der Staat sah zudem im erneuerten UniversitĂ€tsgesetz von 1866 fĂŒr die antiquarische, die mittelalterliche und die Kunstsammlung weiterhin keine regelmĂ€ssigen Zuwendungen vor. Er ĂŒberliess diese ihren EinkĂŒnften aus Eintrittsgeldern sowie der UnterstĂŒtzung von Vereinen und Privaten, am bedeutendsten davon die «Birrmann-Stiftung» und die «Emilie-Linder-Stiftung» zugunsten der Kunstsammlung. Nur dank diesen gelang eine aktive Sammlungspolitik, die ĂŒber das Erhalten ererbter KulturgĂŒter hinausging.

BĂŒrgerliche Erinnerungskultur und Moderne

Die Museumsverantwortlichen wiesen den Sammlungen von Beginn an eine eidgenössische Aufgabe zu, denn sie wollten mit ihnen einen «wohlthĂ€tigen und heilsamen Einfluss auf das gesamte Vaterland» ausĂŒben.cite-ref-14[14] Die «heimliche Nationalgalerie»cite-ref-15[15] wuchs vor allem durch AnkĂ€ufe schweizerischer Kunstwerke an. Als ab 1883 ĂŒber die GrĂŒndung eines eidgenössischen Nationalmuseums verhandelt wurde, setzte sich der Kanton Basel-Stadt konsequenterweise dafĂŒr ein, dessen Standort zu werden, und bot als Kernbestand seine kulturhistorischen Sammlungen an, die im Hinblick auf die Basler Bewerbung systematisch ausgebaut wurden. Das Schweizerische Landesmuseum kam zwar nach ZĂŒrich, dennoch verwirklichte sich das Vorhaben eines – nicht mehr ausschliesslich schweizerischen, dafĂŒr baslerischen – Geschichtsmuseums in einem historischen Bau, der hochgotischen ehemaligen BarfĂŒsserkirche. Die Einrichtung des Historischen Museums «war eine selbstbewusste Schau baslerischer Kunstsinnigkeit und Kunstfertigkeit, eine Mischung aus Bildungskorridor und Budenenfilade».cite-ref-16[16] Die wenige Jahre zuvor erfolgte Verstaatlichung des Gewerbemuseums als Schauplatz der zeitgenössischen Leistungen ist ebenfalls unter dem Aspekt von BĂŒrgerstolz und neuerfundenem Zunftsinn zu sehen, bei dem das BĂŒrgertum seine Wertvorstellungen und LeistungsfĂ€higkeit als Fundament von Staat und Gesellschaft verstand.

Das Wissen um den internationalen Rang der Sammlungen war zwar weit verbreitet, doch erst Ende des 19. Jahrhunderts gelangten sie ins Kulturbewusstsein breiterer Gesellschaftsschichten. Die historistische Erinnerungskultur, die ihre Bedeutung und Wirkung damals entfaltete, verband sich besonders mit der mittelalterlichen Sammlung und den vielen spĂ€tmittelalterlichen Renaissance-Werken des Oberrheins im Kunstmuseum. Seit dieser Zeit pflegt Basel auch den Anspruch, mit dem Erwerb des Amerbach-Kabinetts die Ă€lteste dauerhaft bestehende Kunstsammlung eines stĂ€dtischen Gemeinwesens zu besitzen. Als Basel 1892 (500 Jahre Erwerb Kleinbasels durch Grossbasel) und 1901 (400 Jahre Zugehörigkeit Basels zur Eidgenossenschaft) mit zwei grossen öffentlichen Feiern den bĂŒrgerlich gesinnten Teil der Bevölkerung (und damit die tragende Schicht der Museen) mit lange fortdauernden historisch-patriotischen, fĂŒr ihren Teil identitĂ€tsstiftenden Gesten prĂ€gte, bediente man sich der in den Museen zur VerfĂŒgung stehenden Bilderwelt der Vergangenheit.

SpĂ€testens nach dem Epochenbruch des Ersten Weltkriegs und angesichts der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen wurden fĂŒr die Basler Museen der Geltungsanspruch des BĂŒrgertums und dessen in ihnen institutionalisierte Selbstdarstellung zum Thema. Die Auseinandersetzungen ĂŒber das VerhĂ€ltnis der Museen zur Moderne fĂŒhrte man insbesondere auf dem Gebiet der bildenden Kunst. Der Bau eines eigenen Museums fĂŒr die Basler Kunstsammlung entzĂŒndete in den spĂ€ten 1920er-Jahren eine «MonumentalitĂ€tsdebatte», in der die Vertreter des zweckorientierten Neuen Bauens die am Ende gewĂ€hlte ĂŒberzeitliche Palastform als Machtdemonstration eines konservativen und «geistig erledigten» KulturverstĂ€ndnisses ablehnten.cite-ref-17[17] Im Gegensatz zum architektonischen Gestus und zum antimodernistischen Zeitgeist der 1930er Jahre wurden von den 1920er-Jahren bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs entschieden moderne Werke angekauft. 1934 kamen erstmals ein Bild Vincent van Goghs und ein Ensemble von 134 Zeichnungen Paul CĂ©zannes in die öffentliche Kunstsammlung. Die 1933 gegrĂŒndete Emanuel Hoffmann-Stiftung unterstĂŒtzte das Kunstmuseum dabei und zog mit ihren zeitgenössischen Werken 1940 in das Haus ein. Den Durchbruch fĂŒr die VerĂ€nderung des Gesamtprofils brachte der Sonderkredit des baselstĂ€dtischen Parlaments 1939 fĂŒr den von Museumsdirektor Georg Schmidt angeregten Ankauf von deutschem Museumsgut, das die Nationalsozialisten als «entartete Kunst» diffamiert hatten.cite-ref-18[18]

Die Etablierung der klassischen Moderne im Kunstmuseum setzte sich mit der kontinuierlichen Anschaffung insbesondere US-amerikanischer Nachkriegskunst fort. FĂŒr das Etikett «Museumsstadt», das Basel beansprucht, hat das heftig umstrittene und erfolglose Referendum gegen den Ankauf von zwei Picasso-Bildern 1967 einen herausragenden Stellenwert und ist in der bereits angesprochenen Basler Erinnerungskultur ein SchlĂŒsselmoment fĂŒr die Verklammerung von Gesellschaft und Museum.

Demokratisierung, Popularisierung

Trotz der plebiszitĂ€ren BestĂ€tigung fĂŒr den traditionellen Museumsbetrieb befand sich dieser seit den spĂ€ten 1960er-Jahren in einer dauerhaften Krise. Diese Krise, die nicht nur in Basel zu konstatieren war, entsprang der tiefgreifenden, sozialpolitischen Neubewertung des Kulturellen. Die AnkĂ€ufe des Staatlichen Kunstkredits und die Weihnachtsausstellung 1967 in der Kunsthalle Basel veranlassten die als «Farnsburgergruppe» bekannt gewordene Vereinigung zurĂŒckgewiesener KĂŒnstler zu heftigen Protesten. Schliesslich befasste sich auch das Kantonsparlament mit den angesprochenen Problemen. Die Ereignisse fĂŒhrten zur Frage, ob Basel – nun abschlĂ€gig verstanden – «nur Museumsstadt» sei, und zu einer breit angelegten Debatte ĂŒber die Förderung junger KĂŒnstler und das Funktionieren der Museen. Die GrĂŒndung des Ausstellungsraumes Klingental einige Jahre spĂ€ter hĂ€ngt direkt mit den damals thematisierten Defiziten zusammen.cite-ref-20[20]

Die ab den 1960er-Jahren eingelöste Demokratisierung bedeutete eine Abkehr vom ElitĂ€ren zugunsten des EgalitĂ€ren und Abbau von SchwellenĂ€ngsten. Das kurzlebige Progressive Museum (1968–1974), in dessen Fokus das konstruktivistische Schaffen der 1960er Jahre im Umkreis der Nouvelles Tendances stand, bezweckte, «eine moderne Sammlung anzulegen, die von Anfang an der Oeffentlichkeit zugĂ€nglich sein» sollte, und wollte jede «sĂ€kularisierte Feierlichkeit» vermeiden.cite-ref-21[21] Der Ausbau von Vermittlung und Bildung, ebenfalls ein auf diese Zeit zurĂŒckgehender Auftrag, konnte nur mit mehr Mitteln geleistet werden. Jedoch machte sich seit Mitte der 1970er Jahre auch eine zunehmend angespannte und dauerhaft schwierige Finanzlage der öffentlichen Hand bemerkbar. Ein Museologie-Studium an der UniversitĂ€t Basel konnte wegen Geldmangels nur 1992–1994 angeboten werden. Mitte der 1990er Jahre wurde durch Regierungsbeschluss der Etat der staatlichen Museen um zehn Prozent gekĂŒrzt, und zwei Museen, das Museum fĂŒr Gestaltung und das Stadt- und MĂŒnstermuseum, mussten als Folge davon 1996 schliessen. Die in der Folge heftige Debatte und der Druck einer Volksinitiative zugunsten der baselstĂ€dtischen Museen fĂŒhrten 1999 zum baselstĂ€dtischen Museumsgesetz, das den Bestand der verbleibenden fĂŒnf staatlichen Museen (Antikenmuseum, Historisches Museum, Kunstmuseum, Museum der Kulturen, Naturhistorisches Museum) in die Hand des Parlaments legte. Als zentraler Teil der Kulturausgabencite-ref-22[22] sind die Museen auch Teil der seit einigen Jahren intensivierten Diskussion zwischen den beiden Basler Kantonen ĂŒber die Abgeltung der stĂ€dtischen Zentrumsleistung im Rahmen eines Finanzausgleichs.

Die Museen sind seit den 1980er Jahren zugleich popularisiert und Ă€sthetisiert worden. Seit den 1980er-Jahren hat eine Welle von Museumsneubauten eingesetzt, deren avantgardistische Architektur internationale Bekanntheit erlangt hat. Viel zur Popularisierung trug das Ausstellungskonzept des MusĂ©e Sentimental bei, das auf die prosaisch-alltĂ€gliche Erlebniswelt fokussiert und 1989 zu einer gleichnamigen Ausstellung im Museum fĂŒr Gestaltung fĂŒhrte. Die jĂ€hrliche Basler Museumsnacht zĂ€hlt rund hunderttausend Eintritte, die Museen haben zwischen 1,2 und 1,7 Millionen Besucher pro Jahr.cite-ref-23[23] Die Bevölkerung spricht den Museen eine «tragende Rolle fĂŒr das Bildungsangebot in der Freizeit» zu.cite-ref-24[24] Museen wirken in einem Umfeld, das mehr und mehr den Bedingungen des Freizeit- und des freien Markts ausgesetzt ist, und werden als Standort- und Wirtschaftsfaktor begriffen. Die Sonderausstellung Tutanchamun des Antikenmuseums mit 600.000 Besuchern brachte der Basler Hotellerie 2004 eine Übernachtungszunahme von rund 6 %.cite-ref-25[25] Unter ungĂŒnstigen Bedingungen generieren die Basler Museen eine Wertschöpfung von mindestens 41 Millionen Franken im Jahr (bis knapp 55 Mio. Franken unter Einbezug des Museums am Burghof und des Vitra Design Museums). Im Unterschied zum Staat hat der Einsatz privater Gelder im Museumsbereich deutlich zugenommen. Gelder von MĂ€zenaten oder Sponsoren spielen in der Finanzierung von Ausstellungen, Sammlungsteilen oder ganzen Museen eine immer wichtigere Rolle und sind dementsprechend umworben. Diese Konkurrenzsituation spiegelt sich auch in der grossen institutionellen Autonomie der baselstĂ€dtischen Museen wider, die als einzige Staatsbetriebe nach der privatwirtschaftlich beeinflussten Methode des New Public Management gefĂŒhrt werden dĂŒrfen.

Literatur

‱ Othmar Birkner, Hanspeter Rebsamen: Basel. In: Gesellschaft fĂŒr Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): INSA Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850–1920. Band 2. GSK, Bern 1986, ISBN 3-280-01716-5, S. 25–241, doi:10.5169/seals-3532 (217 S. 327 Abb., e-periodica.ch).
‱ Peter Blome: Basler Museen – eine Standortbestimmung. Die Basler Museen und ihr Publikum. In: Basler Stadtbuch 1994. S. 106–109.
‱ Edgar Bonjour: Die UniversitĂ€t Basel von den AnfĂ€ngen bis zur Gegenwart. 1460–1960. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1960.
‱ Albert Bruckner (Red.): Basel. Stadt und Land. Ein aktueller Querschnitt. Benno Schwabe & Co Verlag, Basel 1937, S. 155–197.
‱ Historisches Museum Basel (Hrsg.): Historisches Museum Basel. FĂŒhrer durch die Sammlungen. Basel 1994, ISBN 1-85894-004-4.
‱ Dorothea Huber: ArchitekturfĂŒhrer Basel. Die Baugeschichte der Stadt und ihrer Umgebung. Architekturmuseum Basel, Basel 1993, ISBN 3-905065-22-3.
‱ Georg Kreis: Entartete Kunst fĂŒr Basel. Die Herausforderung von 1939. Wiese Verlag, Basel 1990, ISBN 3-909158-31-5.
‱ Georg Kreis, Beat von Wartburg (Hrsg.): Basel. Geschichte einer stĂ€dtischen Gesellschaft. Christoph Merian Verlag, Basel 2000, ISBN 3-85616-127-9.
‱ Fritz K. Mathys: Basels Schatzkammern. Zur Entstehung und Entwicklung unserer Museen. In: Basler Stadtbuch 1979, S. 151–164.
‱ Nikolaus Meier: IdentitĂ€t und Differenz. Zum 150. Jahrestag der Eröffnung des Museums an der Augustinergasse in Basel. Sonderdruck aus Band 100 der Basler Zeitschrift fĂŒr Geschichte und Altertumskunde.
‱ Annemarie Monteil: Basler Museen. BirkhĂ€user Verlag, Basel 1977, ISBN 3-7643-0945-8.
‱ Anne Nagel, Martin Möhle, Brigitte Meles: Die KunstdenkmĂ€ler des Kantons Basel-Stadt. Band VII Die Altstadt von Grossbasel I – Profanbauten. Bern 2006.
‱ Öffentliche Kunstsammlung Basel: Festschrift zur Eröffnung des Kunstmuseums. BirkhĂ€user Verlag, Basel 1936.
‱ R. Schneider-Sliwa, C. Erismann, C. Klöpper: Museumsbesuche – Impulsgeber fĂŒr die Wirtschaft in Basel. (=Basler Stadt- und Regionalforschung. Band 28). Basel 2005.
‱ Daniela Settelen-Trees: Historisches Museum Basel in der BarfĂŒsserkirche 1894–1994. Basel 1994, ISBN 3-9520458-2-9.
‱ Raphael Suter: Die Schliessung zweier Museen stösst auf Widerstand. In: Basler Stadtbuch 1995, S. 158–161.
‱ RenĂ© Teuteberg: Basler Geschichte. Christoph Merian Verlag, Basel 1986, ISBN 3-85616-034-5.
‱ Burkard von Roda: Basler Museen – eine Standortbestimmung. Was Basel reich macht. In: Basler Stadtbuch 1994. S. 112–115.
‱ Rainer Wirtz: Basler Museen – eine Standortbestimmung. Die neuen Museen – zwischen Konkurrenz und Kompensation. In: Basler Stadtbuch 1994. S. 100–105.

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ So insbesondere die grossen kantonalen Museen in Basel-Stadt: «Die Museen haben die Aufgabe, kulturelle Werte zu sammeln, zu bewahren, zu dokumentieren, zu erforschen und zu vermitteln.» Museumsgesetz vom 16. Juni 1999, § 3.
cite-note-22. ↑ «Bisher wurden mit dem Begriff â€čMuseumsstadt Baselâ€ș in erster Linie die wertvollen Sammlungen und zahlreichen Sonderausstellungen der staatlichen und privaten Museen verbunden, die hier in einmaliger Dichte vorhanden sind.» (Raphael Suter: «Ist das erste Museologie-Studium der Schweiz bereits am Ende?». In: Basler Jahrbuch 1994. S. 109.) «StĂ€dte mit vergleichbarer Einwohnerzahl besitzen in der Regel höchstens ein Kunsthaus, und dies allenfalls von regionaler Bedeutung. Als Standort fĂŒr Kunstmuseen ist Basel, gemessen an seiner Grösse, einmalig.» (Maria Becker: Die kleine Stadt der grossen Kunstschiffe. In: Neue ZĂŒrcher Zeitung. 2. Juni 2008.)
cite-note-33. ↑ Vergleiche die Darstellung der verschiedenen Gebietsdefinitionen auf der Website des Eurodistrikts Basel@1@2Vorlage:Toter Link/www.eurodistrictbasel.eu (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
cite-note-44. ↑ Karte mit dem Verbreitungsgebiet des Oberrheinischen Museumspasses
cite-note-55. ↑ Festschrift zur Einweihung des Museums in Basel am 26. November 1849. Basel 1849, S. 3.
cite-note-66. ↑ Wilhelm Wackernagel: Über die mittelalterliche Sammlung zu Basel. Basel 1857, S. 3.
cite-note-77. ↑ Der Freiwillige Museumsverein beendete in den 1870er Jahren seine UnterstĂŒtzung des Bernoullianums, im Gegensatz zur UniversitĂ€tsbibliothek, die immer noch Schenkungen erhĂ€lt.
cite-note-88. ↑ Geschichte des Museums fĂŒr Gestaltung (Memento des Originals vom 6. Juli 2011 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.staatsarchiv.bs.ch Das Museum wurde auf privater Basis erst in Weil am Rhein und dann in Basel als Ausstellungsfirma weitergefĂŒhrt. Die Schule fĂŒr Gestaltung (Memento des Originals vom 1. MĂ€rz 2009 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sfgbasel.ch richtet mittels der Plakatsammlung weiterhin Ausstellungen aus.
cite-note-99. ↑ Vergleiche die entsprechenden EintrĂ€ge auf der Website des Kantons Basel-Landschaft: Museen in den Gemeinden (Memento des Originals vom 21. November 2010 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.baselland.ch
cite-note-1010. ↑ Website der Stiftung Sculpture at Schoenthal
cite-note-1111. ↑ Museumsgeschichte (französisch)@1@2Vorlage:Toter Link/www.fondationfernet-branca.org (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
cite-note-1212. ↑ Es gibt Ă€ltere, aber nicht mehr bestehende stĂ€dtische Sammlungen. Beispielsweise wurde die ZĂŒrcher Burgerbibliothek mit angeschlossenem MĂŒnzkabinett und Kunstsammlung bereits 1629 gegrĂŒndet; allerdings wurde sie auch 1780 aufgelöst.
cite-note-1313. ↑ Das UniversitĂ€tsgut bildet «ein an die Örtlichkeit der Stadt Basel unauflöslich geknĂŒpftes, unteilbares Eigentum des Kantons Basel-Stadt, welches den Bestimmungen der Stiftungen und dem Zweck der höheren Lehranstalten nie entfremdet werden darf.» Gesetz ĂŒber das UniversitĂ€tsgut vom 16. Juni 1999, § 2.
cite-note-1414. ↑ Nikolaus Meier: IdentitĂ€t und Differenz. Zum 150. Jahrestag der Eröffnung des Museums an der Augustinergasse in Basel. Sonderdruck aus Band 100 der Basler Zeitschrift fĂŒr Geschichte und Altertumskunde. S. 165.
cite-note-1515. ↑ Nikolaus Meier: IdentitĂ€t und Differenz. Zum 150. Jahrestag der Eröffnung des Museums an der Augustinergasse in Basel. Sonderdruck aus Band 100 der Basler Zeitschrift fĂŒr Geschichte und Altertumskunde. S. 179.
cite-note-1616. ↑ Dorothea Huber: ArchitekturfĂŒhrer Basel. Die Baugeschichte der Stadt und ihrer Umgebung. Architekturmuseum Basel, Basel 1993, S. 193.
cite-note-1717. ↑ Dorothea Huber: ArchitekturfĂŒhrer Basel. Die Baugeschichte der Stadt und ihrer Umgebung. Architekturmuseum Basel, Basel 1993, S. 301–302.
cite-note-1818. ↑ Keines der 21 angekauften Objekte stammte aus Privatbesitz und musste spĂ€ter restituiert werden. Georg Kreis: Die Schweiz und der Handel mit Raubkunst im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg, 1997 (Memento des Originals vom 19. Oktober 2007 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dhh-3.de
cite-note-191. Die Benennung des Platzes war eine Folge der Schenkung von vier Bildern durch Picasso nach der positiven Volksabstimmung ĂŒber den öffentlichen Ankauf zweier seiner Bilder.
cite-note-2020. ↑ 1967 – Eine Ausstellung zur Farnsburgergruppe Basel des Ausstellungsraums Klingental (Memento des Originals vom 18. November 2007 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ausstellungsraum.ch
cite-note-2121. ↑ Geschichte des Progressiven Museums
cite-note-2222. ↑ Die baselstĂ€dtischen Museen machen rund ein Drittel des jĂ€hrlichen Kulturetats von Basel-Stadt von etwa hundert Millionen Franken aus. Vergleiche BaselstĂ€dtisches Kulturbudget 2007. (Memento des Originals vom 6. Juli 2011 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.baselkultur.ch
cite-note-2323. ↑ Besucherzahlen der Museen im Kanton Basel-Stadt. (MS Excel; 78 kB)
cite-note-2424. ↑ Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt: Politikplan 2008–2011. S. 9.
cite-note-2525. ↑ Studie des Humangeographischen Instituts der UniversitĂ€t Basel

Weblinks

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: Museen in Basel

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ museen basel Website zu den Museen in und um Basel
‱ Museen in den Gemeinden Website zu den Heimat- und Ortsmuseen im Kanton Basel-Landschaft